Pilotprojekt: Für eine bessere Integration der Biodiversität in politische Entscheide in der Schweiz 

Gemeinsam mit dem Forum Biodiversität Schweiz hat sanu im Rahmen des Pilotprojekts «Multidimensional Biodiversity Index (MBI): a pilot project in Switzerland» untersucht, was ein Index dazu beitragen kann, um EntscheidungsträgerInnen mit wissenschaftlich fundierter und verständlicher Information zu beliefern. Am 25. August 2022 freute sich das Projektteam, VertreterInnen aus Wissenschaft, Bundesverwaltung, NGOs und Wirtschaftsverbänden begrüssen zu dürfen und ihnen die Zwischenergebnisse des Pilotprojekts zu präsentieren.  

Kathrin Schlup, Co-Direktorin der sanu, begrüsst die Anwesenden

Der aktuelle Biodiversitätsverlust und die damit verbundenen Risiken und Krisen sind in der Schweiz, wie auch weltweit, immer präsenter. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES empfiehlt allen Regierungen dringend, die Biodiversität in allen Sektoren des öffentlichen Lebens zu berücksichtigen und sie systematisch in wirtschaftliche, politische und soziale Entscheide einzubeziehen. Verständlich aufbereitete Daten, die den Zustand der biologischen Vielfalt den EntscheidungsträgerInnen näherbringen, könnten wesentlich dazu beitragen. 

Roger Bär, Forum Biodiversität (scnat), diskutiert Herausforderungen der Berechnung

Biodiversity Health

Das World Conservation Monitoring Center (UNEP-WCMC) hat den Begriff «Biodiversity Health» geprägt. Dieser Begriff vereint die ökologische Perspektive (intrinsischer Wert der Biodiversität und Wert der biologischen Vielfalt in der Stabilisierung der Erdsysteme) wie auch die soziale Perspektive (Biodiversität als Bedingung für menschliches Wohlergehen und Leistungen, auf die sich unsere Ökonomie stützt). Mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt BAFU und des Luc Hoffmann Instituts hat das WCMC den methodischen Rahmen für einen multidimensionalen Biodiversitätsindex (im Folgenden MBI) entworfen.  Der Index zielt darauf ab, Biodiversitätfragen transparent und verständlich in die Politik einzubringen. 

Pilotprojekt: ein MBI für die Schweiz 

Im Schweizer Pilotprojekt wurden zwei eng verknüpfte Teilprojekte eingerichtet, die parallel arbeiteten: «Berechnung des Schweizer MBI» unter der Leitung des Forums Biodiversität und «Anwendungen des MBI in der Politik» unter der Leitung von sanu. Ziel des ersten Teilprojektes war es, den methodischen Rahmen des MBI-Konzepts – vorgeschlagen vom WCMC – zu testen. Dazu wurde aus den zur Verfügung stehenden Daten ein MBI-Prototyp für die Schweiz berechnet. Das zweite Teilprojekt untersuchte mit potenziellen NutzerInnen explorativ, ob und wie der MBI für eine bessere Berücksichtigung der Biodiversität in der Schweizer Politik nützlich sein könnte.  

Julie Perrin, Projektleiterin sanu, diskutiert Fragestellungen der Akteurgruppen

Ein spannender Austausch

Der rege Austausch an der Werkschau vom 25. August bestätigte, wie wichtig die interdisziplinäre Arbeit und der Austausch zwischen den verschiedenen potenziellen NutzerInnen und der Wissenschaft sind. Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse kamen zur Sprache und wurden engagiert diskutiert, so dass auch gemeinsam über Lösungen nachgedacht werden konnte. Den engagierten Teilnehmenden gebührt ein grosses Dankeschön für ihr Engagement und die wertvollen Inputs! 

Gelungene Zusammenarbeit mit den Stakeholdern

Seit Beginn des Pilotprojekts wurden potenziellen MBI-NutzerInnen – die öffentliche Verwaltung, NGOs, Wirtschaftsverbände und ExpertInnen, die mit der Umsetzung von politischen Massnahmen betraut sind – in die Arbeiten mit einbezogen. Ihre Bedürfnisse, Hoffnungen und Befürchtungen wurden im Mai 2021 gesammelt. Die unterschiedlichen Perspektiven auf die Herausforderungen und das Potenzial des MBI bildeten die Grundlage für die Entwicklung von Leitfragen, an denen sich die weitere Arbeit orientierte. Hier einige Beispiele: Welchen politischen Mehrwert bietet der MBI im Vergleich zu bestehenden Indikatoren? Kann der MBI verwendet werden, um Lücken in sektoralen Politiken (z. B. Energie- oder Tourismusstrategien) in Bezug auf die Erhaltung der Biodiversität zu identifizieren und zu schliessen? Wie können NutzerInnen den MBI in ihre Kommunikation integrieren und dabei Fehlinterpretationen vermeiden?  

Eva Spehn, Forum Biodiversität (scnat), im Austausch während den Workshops

Fragen und Antworten 

Um diese Fragen zu beantworten, wurden Anwendungsfälle entwickelt und anschliessend mit Fokusgruppen und ExpertInnen diskutiert und wo möglich getestet. Schliesslich wurden auf der Grundlage der gesammelten Bedürfnisse konkrete Anforderungen an den MBI sowie Empfehlungen formuliert, die eine politische Akzeptanz des MBI in der Schweiz fördern könnten. Der MBI-Prototyp ist noch nicht anwendungsbereit und viele Fragen bleiben noch offen – das Pilotprojekt hat aber wesentlich dazu beigetragen, konkrete Herausforderungen zu identifizieren und potenzielle Verwendungszwecke des MBI zu identifizieren.  

Die Werkschau war damit nicht nur einen Meilenstein im Pilotprojekt, sondern auch ein Auftakt für die weitere Entwicklung der Methodik sowie für weitere Diskussionen zwischen Wissenschaft und Politik.  

Austausch während den Workshops

Haben Sie Fragen oder möchten Sie über den weiteren Verlauf des Projekts informiert werden, melden Sie sich gerne bei Julie Perrin, Projektleiterin, sanu ag, jperrin@sanu.ch.

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