Klanglandschaft

Copyright: Aare in der Nähe von Bern von Maximbg auf AdobeStock

Heute Morgen auf dem Hundespaziergang ging ich der Aare entlang. Das Rauschen des Wassers, Vogelgezwitscher, dann der Ruf des Kuckucks. Pure Idylle bis das erste Flugzeug durch die Anflugschneise nach Belp prescht und mich für einige Sekunden verleitet, die Hände auf die Ohren zu halten. 

An diesem Punkt wären sich vermutlich die meisten einig, dass dieser Lärm störend ist. Doch wenn nun anstelle des Passagierflugzeugs, ein alter Doppeldecker seine Kreise zieht, ändert sich die Ausgangslage. Wir schauen hoch und freuen uns über den Oldtimer. Der verursachte «Lärm» rückt in den Hintergrund des Bewusstseins. 

Copyright: Doppeldecker Flugzeug von Stefan Werner auf AdobeStock

Lärm ist subjektiv

Das ist der springende Punkt: wir nehmen Lärm subjektiv wahr. Ausserhalb der Stille umgibt uns Klang, welcher verschiedene Qualitäten haben kann. Gerade die Lautstärke, welche vermutlich am häufigsten zu Diskussionen führt, kann nicht gemessen werden, da sie von unserem persönlichen Empfinden abhängt, welches zusätzlich nach Gemütszustand und Situation variiert. Gemessen wird der Schalldruckpegel als objektive Grösse – die bekannte Dezibel-Skala. Das Flugzeug erreicht so gemessen bald schon mal meine Schmerzschwelle. 
Die Lärmschutzgesetzgebung arbeitet mit objektiven Belastungsgrenzwerten. Doch auch sie kommt nicht ganz ohne weiche Begriffe wie Zumutbarkeit aus, was die Komplexität der unterschiedlichen Wahrnehmung aufnimmt. 

Akustische Umwelt bewusst gestalten

Wir haben nicht nur die Möglichkeit, uns vor Lärm zu schützen. Unsere akustische Umwelt kann bewusst gestaltet werden. Mit baulichen Massnahmen haben wir einen erheblichen Einfluss auf unsere akustische Umwelt. Stellen Sie sich das Markttreiben auf einem grossen offenen Platz oder die Geräuschkulisse eines engen Hinterhofs vor. Diese klangraumgestalterischen Aspekte haben einen Einfluss darauf, wie wir unsere Umgebung empfinden, ob wir uns wohlfühlen oder ob wir angespannt sind. In der Folge ist unsere Gesundheit direkt davon betroffen. 

Copyright: Bundesplatz in Bern von auf AdobeStock

Klangraumgestaltung ist interdisziplinär: Architektur, Raumplanung, Akustik treffen aufeinander. Wir möchten noch einen Schritt weitergehen und die Biodiversität als zusätzliches Fachgebiet integrieren. In unserem neuen Kurs suchen wir den Diskurs zu einem holistischen Verständnis des Klanglandschafts-Begriff, welcher beispielsweise Aspekte der Ökologie oder Universal Design aufnimmt. Konkret könnte das heissen, dass laubabwerfende, einheimische Bäume in einem Park gezielt eingesetzt werden, um die saisonale Komponente der Gestaltung aufzunehmen und sowohl optisch als auch akustisch und ökologisch denkt. 

Musikhörerin von Zoran Zeremski auf AdobeStock

Klanglandschaft gestalten

30.09.2021, Bern
Weitere Infos zum Kurs & Anmeldung hier

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