Die Grosse Transformation – nur ein Schlagwort?

Transformation ist in aller Munde: ob „Digital Transformation“, „soziale Transformation“ oder „Transformation für die Nachhaltigkeit“ – das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderung ist in den letzten Jahren gestiegen. 

Ob wir von Wandel, Change, Wende, Veränderung, Transition oder Transformation sprechen, kommt letztlich auf den Kontext und unser Umfeld an. Nicht zuletzt dank der Klimajugend erscheinen in den letzten zwei Jahren täglich Artikel zu Themen der Nachhaltigkeits-Transformation in den Medien, neben einer langen Reihe von populärwissenschaftlichen Sachbüchern, die die Bestsellerlisten anführen. 

Viele PolitikerInnen und Führungspersonen haben erkannt, dass die Nachhaltigkeit und das Wohlergehen der Menschen untrennbar verbunden sind – beispielsweise führt die FDP Schweiz bereits zum zweiten Mal eine Mitgliederbefragung zu diesem Thema durch. Am Schluss bleibt auch immer die Frage, wie schnell, und wie stark, wollen und können wir uns verändern? 

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Weshalb brauchen wir Transformation? 

Die Eingriffe des Menschen in die natürliche Umwelt haben ein Ausmass erreicht, das weit über die Regenerationsfähigkeit unseres Planeten hinausgeht. Besonders der Klimawandel, der Verlust biologischer Vielfalt, die Bodendegradation sowie die Übernutzung der Meere zählen zu den weltweit voranschreitenden kritischen Veränderungen der natürlichen Umwelt. Diese Veränderungen führen nicht nur zu neuen Umweltbedingungen, die unsere Lebensgrundlagen bedrohen, sondern auch zu einer höheren Instabilität der natürlichen Systeme – was uns Menschen bezüglich Agilität und Anpassungsfähigkeit herausfordert und noch lange herausfordern wird. Seit mindestens 30 Jahren wird die Wende hin zu mehr Nachhaltigkeit diskutiert: als Energiewende, als Ernährungswende, als Mobilitätswende. Kate Raworth stellt in ihrem Wirtschaftsmodell „Donut-Ökonomie“ die soziale Absicherung den Grenzen der natürlichen Ressourcen gegenüber und gibt damit einen Zielbereich für die sogenannte „grosse Transformation“. Gemeint ist damit der umfassende Umbau von Technik, Ökonomie und Gesellschaft, um mit den sozialen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts umzugehen.  

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Der innere Kreis zeigt ein Netz der sozialen Absicherung – quasi die untere Grenze. Der äußere Kreis wiederum beschreibt die Beschränkung, die uns durch die natürlichen Ressourcen auferlegt wurde. Wenn also alle Menschen „im Donut“ leben – im sicheren Raum –, haben wir eine Wirtschaft erreicht, die den Planeten nicht zerstört, und die den Menschen ein würdiges Leben ermöglicht.  

Klassisches Umweltmanagement beschäftigt sich damit, wie in bekannten Feldern kontinuierliche Verbesserungen erreicht werden können – dies bleibt zweifelsohne wichtig. Damit die Nachhaltigkeits-Transformation gelingt, müssen darüber hinaus ganze Systeme und ihr Zusammenspiel neu gedacht werden, in Unternehmen, Organisationen und Staaten – und funktionierende Projekte müssen so effektiv wie möglich repliziert werden. 

Wo begegnen wir der Transformation? 

Konkret sichtbar wird die Transformation heute in ressourcenschonenden Wirtschaftsmodellen wie zum Beispiel der Kreislaufwirtschaft, die auch in der Schweiz Fuss fasst. Der Bau von Plusenergie-Quartieren oder das Gebäudeprogramm des Bundes sind weitere Beispiele, wie die Transformation durch neue Lösungen und Replizierung vorangetrieben wird. Darüber hinaus gibt es gesellschaftliche Initiativen wie das bedingungslose Grundeinkommen oder lokale Währungen, die alle einen Wandel im Zusammenspiel von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt anstreben. Damit dieser Wandel gelingen kann, ohne dass tiefgreifende Disruptionen die Gesellschaft spalten und damit die Solidarität untergraben, muss sie breit verstanden und mitgetragen werden – und alle, sowohl Einzelpersonen wie auch Organisationen, Staaten und Unternehmen müssen sich in angemessener Tiefe einbringen können.  

Wer treibt die Transformation an?

Rosa Parks, eine schwarze Frau, die sich in Montgomery, Alabama, in den 60er Jahren in den für Weisse reservierten Busteil setzte, engagierte sich persönlich gegen die Ungerechtigkeit und kam ins Gefängnis. Das könnte das Ende der Geschichte sein. Aber Rosa Parks im Zusammenspiel mit dem Mut, der Hingabe und dem politischen Willen der schwarzen (und Teilen der weissen) Bevölkerung endete die Segregation im öffentlichen Verkehr der USA.  Machtverhältnisse, Gewohnheiten und Systeme ändern sich nur, wenn strategisch und visionär gegen sie vorgegangen wird. Es braucht also Einzelne, die neuen Pfade erforschen und Risiken eingehen – und Mehrheiten, die entschlossen mitgehen auf diesem Weg. 

Wie rasch geschieht die Transformation? 

In den letzten Monaten haben wir mit Covid 19 alle erlebt, wie rasch wir unsere Gewohnheiten anpassen können und wie lernfähig wir sind. Die Herausforderungen des Klimawandels und des Biodiversitätsverlusts, aber auch im Zusammenleben von Arm und Reich, Nord und Süd, Jung und Alt sind dringend – je früher (also hier und jetzt) und stetiger wir uns mit den Herausforderungen entwickeln, umso mehr Spielraum bewahren wir für künftige Generationen. Die Transformation wird nicht 2030 oder 2050 abgeschlossen sein – voraussichtlich wird unsere Anpassungsfähigkeit noch lange gefordert sein. Wandel erfolgt nicht überall gleichzeitig und oft auch sprunghaft – in der wirtschaftlich relativ stabilen Phase der vergangenen 70 Jahre transformierte die technologische Entwicklung weite Teile unseres Lebens und unserer Systeme rasant. Wir Menschen müssen uns für die Zukunft nicht nur gegenseitig darin stärken, uns an Veränderungen zu gewöhnen – sondern wir müssen auch fähig sein, uns wo nötig zu widersetzen und neue Wege zu gehen, damit nachhaltige Strategien verfolgt werden. 

Lernen für die Transformation 

Um auf die Unsicherheiten, die mit den Umwelt- und gesellschaftliche Veränderungen einhergehen, positiv reagieren zu können, müssen wir als Gesellschaft vor allem lern- und anpassungsfähig sein. Aus Bildungsperspektive heisst dies, dass wir sowohl bei Einzelpersonen, Teams, Organisationen sowie ganzen Teilsysteme die Lernfähigkeit und das Bewusstsein für unser Veränderungspotential fördern müssen, um damit auch die Resilienz zu steigern. Die Lernprozesse beruhen dabei weiterhin bei allen genannten Zielgruppen auf traditioneller Wissensvermittlung, Erfahrungsaufbau, Imitation und Reflexion, sowie – immer wichtiger – Lernen durch Ko-Kreation. Mit der Ko-Kreation werden einerseits Transformationsprojekte direkt mit den Betroffenen entwickelt und gestartet, andererseits ist sie auch eine Grundlage für Einzelpersonen, um das eigene (Selbst-)Bewusstsein zu entwickeln und sein Verhalten zu verändern. Nur wenn wir uns unserer Rolle im System bewusst sind, können wir das System beeinflussen – und dazu müssen wir in der Regel auch uns selbst wandeln und weiterentwickeln. Die Transformation von Einzelpersonen und Institutionen geht also Hand in Hand mit der Transformation von Systemen.  

Mit unseren Kursen und Lehrgängen möchten wir die Transformation positiv mitprägen. Steigen Sie ein und werden Sie Teil des Wandels! In diesen Kursen steht das Thema Transformation im Zentrum: 

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